Der fortschreitende Klimawandel und die damit verbundene Zunahme von Extremwetterereignissen hat große Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion. Diese Veränderungen der Umweltbedingungen erfordern auch Anpassungen in der Grünlandbewirtschaftung. Auf dieser Seite sind in drei Abschnitten die Auswirkungen des Klimawandels auf den Grünlandbestand (Teil 1), die Anpassung des Grünlandbestands (Teil 2) und die Bewirtschaftung (Teil 3) aufgezeigt.
Die ansteigenden Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre führen zu einer Veränderung des Klimas. Eine maßgebliche Folge des menschengemachten Klimawandels ist der Anstieg der Temperatur. Dies führt zu einer Kaskade von Veränderungen des Klimas auf regionaler Ebene. Bereits heute beobachten wir sowohl global, als auch regional längere und intensivere Dürren, Hitzephasen oder Starkniederschläge. Diese Zunahme von Extremereignissen hat zwangsläufig deutliche Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion. Unter der aktuell wahrscheinlichen Annahme weiterer Treibhausgasemissionen und somit weiter steigender Temperaturen, ist global betrachtet mit Ertragsrückgängen bis hin zum Verlust von landwirtschaftlich nutzbarer Fläche in der Zukunft zu rechnen.
Auch das Grünland in Baden-Württemberg ist in mehrfacher Hinsicht vom Klimawandel betroffen. Hierzu zählen Faktoren wie die Verlängerung der Vegetationsperiode, längere Dürrephasen, Verschiebung des Niederschlags in die Wintermonate, erhöhte Temperatur und CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre. Diese Faktoren können auf regionaler Ebene zu unterschiedlichen Folgen für das Grünland führen. Grundsätzlich bedeutet dies, dass sich ehemals konstante Standortbedingungen nun verändern können und diese Veränderung auch mit einer hohen Variabilität in der Witterung zwischen den Jahren verbunden ist. Maßgeblich relevant für die Grünlandbewirtschaftung sind in den meisten Fällen Dürren und die Verlängerung der Vegetationsperiode.
Dürren
Wenn längerfristig ein Wassermangel für Pflanzen vorherrscht und dadurch ein verminderter Ertrag auftritt spricht man von einer landwirtschaftlichen Dürre. Das Grünland ist eine vergleichsweise wasserbedürftige Kultur. Besonders das wichtigste Wirtschaftsgras in Baden-Württemberg, das Deutsche Weidelgras, ist auf regelmäßigen und ergiebigen Niederschlag angewiesen. Deshalb ist das Wirtschaftsgrünland auf vielen Betrieben von Dürreereignissen relativ stark bedroht. Tritt eine Dürre auf, muss die Pflanze mit dem Wassermangel umgehen und Dehydration vermeiden. Hierzu verfügt sie über unterschiedliche Mechanismen. Im ersten Schritt, mit beginnender Dürre, versucht die Pflanze ihren Wasserstatus aufrecht zu erhalten. Hierzu stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Die Pflanze kann mehr Wasser aufnehmen indem mehr Assimilate (Zucker wie z.B. Fruktan) in das Wurzelwachstum investiert werden, durch die zusätzlichen Wurzeln kann mehr Bodenwasser pflanzenverfügbar werden. So haben Pflanzen, die eine Dürre erfahren haben, auch stärker ausgeprägte Wurzeln als Pflanzen die durchgehend ausreichend mit Wasser versorgt waren. Die zweite Möglichkeit der Vermeidung der Dehydration ist die Verminderung der Wasserverluste. Pflanzen müssen für die Photosynthese CO2 aufnehmen, hierfür werden Spaltöffnungen an den Blättern geöffnet. Durch diese Spaltöffnungen kann dann auch Wasser entweichen. Dieser Prozess ist besonders bei Hitze ausgeprägt und nicht vermeidbar. Jedoch können manche Pflanzen wie z.B. das Knaulgras, diese Spaltöffnungen nur minimal öffnen und somit den Wasserverlust reduzieren. Bei länger andauernder Dürre reichen diese Prozesse nicht aus um die Dehydration zu vermeiden. Die Pflanze reagiert dann mit der Einstellung des Wachstums, da Wachstum auch einen erhöhten Wasserbedarf bedeutet. An dieser Stelle muss ein Nebeneffekt beachtet werden. Durch den Wassermangel ist kaum Stickstoff im Boden pflanzenverfügbar, was das Wachstum weiter einschränkt. Produkte aus noch laufender Photosynthese werden also nicht für Wachstum verwendet, sondern als Kohlenhydrate in die Pflanze, hauptsächlich in Ausläufern und in der Triebbasis, eingelagert. Reicht die Einstellung des Wachstums nicht aus, beginnen Blätter abzusterben. Dadurch kann der Wasserbedarf stark reduziert werden und es überleben nur die Pflanzenteile die für einen Wiederaustrieb nach der Dürre benötigt werden. Je nach Schwere der Dürre und Anpassung der Pflanzen sterben Pflanzen aber auch dürrebedingt komplett ab. Dies bedeutet, dass Lücken im Grünlandbestand entstehen, die dann wieder geschlossen werden müssen um eine dichte Grasnarbe aufrechtzuerhalten.
Verlängerung der Vegetationsperiode
Der Winter und damit auch die Vegetationspause werden kürzer. Vor allem der frühe Beginn des Frühjahrs verlängert die Vegetationsperiode maßgeblich. Diese Beobachtungen werden z.B. mithilfe einer ‚phänologischen Uhr‘ gemacht. Diese zeigt bestimmte Entwicklungsschritte von Zeigerpflanzen im Frühjahr. Laut Deutschem Wetterdienst hat sich der Frühjahrsbeginn deutschlandweit aus ‚Pflanzensicht‘ um 19 Tage verglichen mit dem Zeitraum 1961-1990 nach vorne verschoben Dies bedeutet auch ein früheres Einsetzen des Grünlandwachstums im Frühjahr. Ein anderer Indikator für das Einsetzen der Vegetation im Grünland ist die Grünlandtemperatursumme. Um diese zu berechnen wird die mittlere tägliche Temperatur gewichtet (Januar × 0,5: Februar × 0,75; ab März volle Temperatur) und aufsummiert. Erreicht die Summe 200 °C, wird vom nachhaltigen Vegetationsbeginn ausgegangen. Eine Analyse der Wetterdaten (Deutscher Wetterdienst) aus Baden-Württemberg zeigt, dass die Grünlandtemperatursumme von 200 °C immer früher erreicht wird und dieser Trend stärker wird (Abbildung 1). Auch wenn regionale Unterschiede vorliegen, beginnt die Vegetation im Mittel über Baden-Württemberg im vieljährigen Mittel 1991-2020 17 Tage früher als im Zeitraum 1961-1990! (Abbildung 2) Damit verschieben sich Düngungstermine, Grünlandpflegemaßnahmen und vor allem die Nutzung nach vorne. Vor allem für intensiv wirtschaftende Betriebe ergibt sich daraus eine Chance der frühen Ernte - insofern es die Bodenbedingungen zulassen. Auch Weidebetriebe sind stark von diesem Phänomen betroffen und müssen Austriebstermine immer weiter nach vorne verschieben. Traditionelle Schnitt- und Austriebstermine erscheinen vor diesem Hintergrund wenig sinnvoll. Hier ist zunehmende Flexibilität gefragt um diese Gunstphasen auch entsprechend zu nutzen. Die Vegetationsperiode verlängert sich jedoch auch im Herbst, was viele Betriebe vor die Entscheidung stellt ob im Herbst ein sehr später weiterer Schnitt sinnvoll ist. Die hohen Stickstoff- und niedrigen Zuckergehalte im Herbst bedingt durch die kurzen Tage und meist feuchte Bedingungen erschweren die Futterkonservierung. Eine ausgedehnte Weidenutzung ist für manche Betriebe eine mögliche Alternative. Ob der Aufwuchs einfach auf dem Feld verbleiben kann, muss im Einzelfall entschieden werden. Zu hohe Aufwüchse vor dem Winter können Auswinterungsschäden und starke Vermehrung von Mäusen bedeuten und damit den ersten Schnitt des Folgejahrs beeinträchtigen.
Zusammenfassung
Der Klimawandel wird, mit regionalen Unterschieden, das Grünland auch in Baden-Württemberg beeinflussen. Voraussichtliche Entwicklungen sind verstärkte Dürren, die verlängerte Vegetationsphase, sowie zunehmende Unregelmäßigkeiten in der Witterung. Dies bedeutet das teilweise die Grünlandbestände verändert werden sollten (Teil 2 Grünlandanpassung) und die Bewirtschaftung angepasst werden muss (Teil 3 Bewirtschaftung).
Standortbedingt sind Betriebe unterschiedlich stark von klimatischen Veränderungen betroffen. Während die Gunststandorte in Oberschwaben-Allgäu weiterhin ertragsreich und weidelgrassicher sind, sind andere Regionen wie die Schwäbische Alb, Odenwald oder der Südschwarzwald teils stark betroffen. Aber auch in den weidelgrassicheren Regionen sind Veränderungen spürbar, mindestens durch den frühen Vegetationsstart. Sowohl in Gebieten in denen Trockenstress eine Rolle spielt als auch in Bereichen mit einer verlängerten Vegetationsperiode und eher sporadischen Dürreereignissen, kann einer Anpassung der Pflanzenbestände sinnvoll und notwendig sein. Die Anpassung findet auch auf natürlichem Weg statt, hier stellt sich die Frage ob Arten die gut an die ‚neue Umwelt‘ angepasst sind auch zufriedenstellende Erträge und Futterwerte liefern. Eine gelenkte Anpassung ist demnach zielführender und greift unerwünschten Entwicklungen im Bestand vor.
Anpassung der Bestände an Dürre
Wie im Teil zu den Auswirkungen beschrieben, haben Pflanzen unterschiedliche Mechanismen um sich vor Dehydration zu schützen. Wenn die Dehydration eintritt, wird das Wachstum der Pflanze verlangsamt oder ganz eingestellt. Eine Pflanze die durch besagte Mechanismen das Wachstum länger aufrechterhalten kann, wächst und produziert in Dürreperioden also länger. Kurze oder weniger stark ausgeprägte Wassermangelsituationen können auch ohne Schaden von der Pflanze überstanden werden. Deshalb kann es für den Betrieb gegebenenfalls interessant sein die Grünlandbestände hin zu mehr trockenheitstoleranteren Sorten umzubauen. Bekannte Arten die hierfür in Frage kommen sind bei den Gräsern das Knaulgras, Wiesenschwingel, Rohrschwingel und die Wiesenrispe. Besonders gut kommen dabei Rohrschwingel und Knaulgras mit Wassermangelsituation zurecht. Die Arten zeichnen sich durch tiefe Durchwurzelung und geringe Wasserverluste aus. Jedoch haben diese Arten auch Nachteile: der Futterwert v.a. vom Rohrschwingel ist deutlich geringer als der des Deutschen Weidelgrases. Auch ist die Pflanzenentwicklung und damit der optimale Schnittzeitpunkt nicht ohne weiteres mit einem von Weidelgras dominierten Bestand zu vergleichen. So wird das Knaulgras früher generativ als das Weidegras und hat damit zu gegebener Zeit einen höheren Anteil von Strukturkohlenhydraten als das Deutsche Weidelgras, es wird also schneller „alt“. Auch ist die Etablierung solcher Arten in einen konkurrenzstarken, weidelgrasbetonten Bestand nicht einfach. Viele Empfehlungen gehen deshalb soweit, dass z.B. der Rohrschwingel nicht in Kombination mit Deutschem Weidelgras angebaut werden kann. Grundsätzlich muss die Bestandsführung dann auch dem jeweiligen Bestand angepasst werden, was besonders für den Nutzungstermin gilt. Soll das Deutsche Weidelgras als Hauptbestandsbildner durch eine trockenheitstolerante Art ersetzt werden, muss der Bestand auch entsprechend dieser Art gefördert werden und das Weidelgras in einem ersten Schritt sogar zurückgedrängt werden. Knaulgras und Rohrschwingel sind ausgeprägte Horstgräser. Um eine geschlossene Grasnarbe zu erreichen kann eine Kombination mit Ausläufer bildenden Pflanzen sinnvoll sein. Weißklee oder Wiesenrispe wären hierbei Pflanzen die durch einen hohen Futterwert überzeugen und gute Erträge bilden können. Neben den Gräsern kommen auch Leguminosen in Frage. Bei ausreichend hohem Boden-pH Wert und geringer Nutzungshäufigkeit, ist die Luzerne hier die erste Wahl. Da die Luzerne sich nicht vegetativ, das heißt über Seitentriebbildung vermehren kann, muss sie sich für eine langfristige Erhaltung im Bestand versamen können. Dies schränkt die Schnitthäufigkeit und den Nutzungstermin ein. Ähnliches gilt für den Rotklee: auch hier ist ein Aussamen nötig, alternativ muss in regelmäßigen Abschnitten nachgesät werden. Darüber hinaus werden Zichorie und Spitzwegerich häufig als trockenheitstolerante Kräuterarten erwähnt. Beide Arten zeigen großes Potenzial und haben einen hohen Futterwert. Doch auch diese Arten sind im Dauergrünland nicht ausdauernd. Besonders die Zichorie ist selten länger als zwei Jahre in einem Bestand zu finden, Spitzwegerich kann etwas länger durchhalten. Beide Arten sind deshalb hauptsächlich für Ackerfuttermischungen interessant.
Verlängerte Vegetationsperiode
Der frühere Vegetationsbeginn ermöglicht teilweise eine sehr frühe erste Nutzung. Für Betriebe, die nur sporadisch mit Trockenphasen umgehen müssen ergibt sich dadurch eine alternative Strategie zum Bestandsumbau mit trockenheitstoleranten Arten. Kann der erste Schnitt sehr früh eingefahren werden, ist auch in vielen Situationen noch ein zweiter Schnitt vor der Trockenheit möglich. Setzt im Sommer dann eine Dürrephase ein, wurde bereits der Großteil des Futters zuvor geerntet. Durch die gute Regenerationsfähigkeit des Deutschen Weidelgrases nach der Trockenheit, kann im Spätsommer und Herbst weiter genutzt werden (Teil 3 der Serie beschäftigt sich mit der Nutzung während der Trockenheit). Die frühe Nutzung kann durch geeignete Sortenwahl unterstützt werden. Frühreife, meist tetraploide Sorten können früh mit einem hohen Ertrag genutzt werden. Jedoch sollte je nach Standort nicht nur der Ertrag bei der Sortenwahl, sondern auch die Widerstandskraft und Ausdauer der Gräser beachtet werden. Nähere Informationen hierzu finden sich in den Sortenempfehlungen des Landes.
Etablierung anderer Arten und Sorten – Nachsaat
Beide vorgestellten Strategien benötigen eine Methode der Etablierung der neuen Arten bzw. Sorten. Neuansaat kommt dabei nur in den wenigsten Fällen in Frage. Meist wird ein Bestandsumbau über Durchsaat realisiert. In jedem Fall müssen ausreichend Lücken vorhanden sein, um den Keimlingen bzw. Jungpflanzen Platz zu gewähren. Der Einsatz eines Grünlandstriegels mit scharfer Einstellung und mit mehreren Überfahrten kann dabei helfen Lücken in einem dichten Bestand zu schaffen. Wenn konkurrenzschwache Arten eingesät werden sollen kann eine (Zer-)Störung der Altnarbe, z.B. mit flach eingestellter Kreiselegge gute Ausgangsbedingungen schaffen (Anzeigepflicht des Grünlandumbruchs beachten!). Außerdem müssen gute Bedingungen für die Etablierung gegeben sein. Ein pauschaler Zeitpunkt kann hierfür nicht genannt werden, da die Bedingungen von Jahr zu Jahr und Standort zu Standort variieren können. Immer muss beachtet werden, dass Keimlinge und v.a. Jungpflanzen konkurrenzschwach im Vergleich zur Altnarbe sind. Die schwach ausgeprägten Wurzeln können noch wenig Wasser und Nährstoffe aufnehmen, kleine Blätter und geringes Höhenwachstum schränken die Lichtaufnahme ein. Das bedeutet, dass immer ausreichende Feuchte vorhanden sein muss, Lücken helfen die Konkurrenz zu vermindern und ein Schröpfschnitt sowie eine reduzierte Stickstoffdüngung schränken das Wachstum der Altnarbe und damit ihre Konkurrenzkraft um Licht ein. Auf regelmäßig von Trockenheit bedrohten Standorten sind Perioden mit längerer ausreichender Bodenfeuchte meist eher in der späteren Vegetationsperiode gegeben, bei Aussaat im Frühjahr ist das Risiko einer Sommertrockenheit groß. Auch bietet eine von Trockenheit geschädigte Altnarbe mit Lücken gute Voraussetzung für die Etablierung der Nachsaat.
Zusammenfassung
Je nach Standort ist die Einschränkung durch Sommertrockenheit unterschiedlich. Generell niederschlagsarme Standorte mit ausgeprägten Sommerdürren können ihre Bestände mit trockenheitstoleranteren Arten umbauen. Dies muss aber auch mit einer Anpassung der Bestandsführung kombiniert werden. Betriebe auf weidelgrassicheren Standorten können den frühen Vegetationsbeginn in Kombination mit frühen Weidelgrassorten nutzen, um die Hauptfuttermenge vor möglichen Wachstumsdepressionen im Sommer einzufahren. Beide Strategien sind mit einem Umbau des Grünlandbestands verbunden, entsprechend ist eine Nachsaat bei optimalen Bedingungen die Voraussetzung für eine Veränderung der Pflanzenbestände.
Ausgangssituation
Der Klimawandel bringt viele Unregelmäßigkeiten in den Jahresverlauf der Witterung. Regional ist unter anderem mit ausgedehnten Dürreperioden zu rechnen, außerdem verlängert sich die Vegetationsperiode durch ein zeitiges Frühjahr. Besonders Betriebe in den vermeintlich weidelgrassicheren Lagen erfahren nicht unerhebliche Ertragsverluste durch Dürren. Betriebe auf Standorten die wiederholt Dürren erfahren, sollten deshalb darüber nachdenken ob eine Anpassung des Pflanzenbestands mit trockenheitstoleranteren Arten sinnvoll sein könnte. Wenn Dürren nur sporadisch auftreten müssen Betriebe mit diesen Ereignissen richtig umgehen. Düngung, Nutzung und Narbenwiederherstellung sind wichtige Stellschrauben im Umgang mit Dürren. Darüber hinaus kann durch die richtige Sortenwahl die Nutzung an die verlängerte Vegetationsphase angepasst werden. Grundlegend für alle Betriebe und Standorte ist aber der gute Allgemeinzustand der Böden und Pflanzenbestände.
Allgemeiner Zustand des Grünlands
Ein gesunder und fruchtbarer Boden ist die Grundlage für einen ertragreichen und widerstandsfähigen Pflanzenbestand. Der Grundsatz hierfür ist die ‚gute fachliche Praxis‘. Viele Bodenparameter werden wenig beachtet und führen langfristig zu Problemen und Ertragsverlusten. Die Bodenreaktion, also der pH-Wert des Bodens ist hierbei zentral: Nährstoffverfügbarkeit und damit auch Pflanzenernährung und die Bindung von für die Pflanze toxischen Elementen wird hiervon entscheidend beeinflusst. Außerdem hat eine ausreichende Calcium Versorgung einen positiven Einfluss auf die Bildung von Ton-Humus-Komplexen und somit die Bodenstruktur, das Wasserhaltevermögen und die Infiltration. Besonders die letzten beiden Punkte sind mit Blick auf Dürren, aber auch Starkregenereignisse und nasse Witterungsphasen von größter Bedeutung. Hier schließen direkt Schadverdichtungen des Bodens an. Verdichtungen entstehen meist durch Befahren bei zu nassen Bedingungen. Die Folgen sind verringerte Wasserinfiltration und –haltevermögen, vermehrtes Vorkommen von gemeiner Rispe und stumpfblättrigem Ampfer und eine erschwerte Durchwurzelung. Auch diese Punkte sind besonders bei Wassermangel spürbar.
Dürre und Düngung
Eine gute Versorgung mit Grundnährstoffen vor der Dürre macht die Pflanzen widerstandsfähig und toleranter gegen den Wassermangel. Eine besondere Rolle kommt hier der Kaliumversorgung zu. Wie oben beschrieben, verlieren Pflanzen durch die Spaltöffnungen Wasser. Die Spaltöffnungen können auch geschlossen werden, hierfür ist Kalium nötig um den nötigen Druck in Schließzellen herzustellen. Ein Kaliummangel zu Trockenheit kann den Trockenstress für die Pflanze also weiter verstärken. Neben der Grunddüngung muss auch die Stickstoffdüngung beachtet werden. Auch hierbei gilt, dass eine ausreichende Stickstoffdüngung vor der Trockenheit die Pflanze stärkt. Bei einem ausgeprägten Wasserdefizit tritt zusätzlich zum Wassermangel auch ein Stickstoffdefizit für die Pflanze ein. Die Mineralisierung von organisch gebundenem Stickstoff im Boden wird verlangsamt, zudem wird die Verfügbarkeit von mineralischem Stickstoff verringert, weil dieser hauptsächlich über das Bodenwasser von der Pflanze aufgenommen wird. Der Stickstoffmangel stoppt zusammen mit dem Wassermangel das Pflanzenwachstum bei Trockenheit. Stickstoffgaben sind während der Trockenheit nicht sinnvoll, weil der Stickstoff nicht pflanzenverfügbar ist. Güllegaben bedeuten zudem durch Verkleben oder sogar Verbrennen der Blätter zusätzlichen Stress für die Pflanze und sollten auf jeden Fall unterlassen werden- auch mit Blick auf die zu erwartenden Stickstoffverluste. Zum Ende der Trockenheit mit einsetzender Wiederbefeuchtung, sind dann hohe Stickstoffmineralisierungsraten zu beobachten. Deshalb ist die Stickstoffversorgung direkt nach der Dürre sehr gut – auch jetzt ist eine Stickstoffdüngung überflüssig. Diese sollte frühestens sieben bis zehn Tage nach der Wiederbefeuchtung stattfinden, besser nach der folgenden Ernte um eine hohe Nutzungseffizienz zu erreichen. Besonders in Beständen mit hohen Leguminosenanteilen ist eine hervorragende Stickstoffversorgung nach der Dürre zu beobachten, weil die atmosphärische Stickstofffixierung länger als das Wachstum in der Dürre funktioniert und somit nach der Dürre große Mengen Stickstoff pflanzenverfügbar vorliegen. Generell sollte eine hohe Nutzungseffizienz bei der organischen Düngung angestrebt werden. Hierfür bietet sich an, die wachstumsstarken Gunstphasen im Frühjahr und Spätsommer/ früher Herbst mit ausreichender Wasserversorgung verstärkt zu nutzen. Hier gilt es, durch emissionsarme Ausbringtechnik und bedarfsgerechte Düngung (ausreichend Pflanzenwachstum, keine Düngung nach spätem letzten Schnitt) eine hohe Nutzungseffizienz bei der Düngung zu erreichen.
Für die Grunddügung und Kalkung ist es in jedem Fall empfehlenswert, regelmäßige Bodenuntersuchungen durchzuführen. Diese dienen als fundierte Grundlage der Bedarfsberechnung um ökonomisch und ökologisch sinnvolle Maßnahmen durchzuführen und den Boden und den Grünlandbestand langfristig fruchtbar und resilient gegen Wetterextreme zu halten.
Nutzung während und nach der Dürre
Trotz der genannten Anpassungen, führen ausgeprägte Dürresituationen zu verminderten Erträgen und Futterknappheit. Die Nutzung von Wassermangel geprägten Beständen ist in solchen Situationen dann oft unvermeidbar. Besonders Betriebe bei denen die Weidehaltung eine wichtige Rolle in der Fütterung spielt, sind auf eine kontinuierliche Futterverfügbarkeit angewiesen. Gegen die Nutzung während der Trockenheit spricht, dass der stehende Bestand ein vorteilhaftes Mikroklima schafft. Tau wird länger gehalten, der Boden wird beschattet und die unproduktive Verdunstung von Wasser verringert. Trotzdem ist in vielen Situationen die Nutzung alternativlos. Dafür spricht auch, dass sich der Bestand nach der Dürre besser entwickelt, wenn eine Nutzung stattgefunden hat. So kann beispielsweise der Bestand wieder neue Blätter und Triebe bilden (Lücken schließen!), auch wenn während der Dürre eine Notreife stattgefunden hat. Wird der Bestand nun während der Dürre genutzt ist es entscheidend, dass eine hohe Schnitthöhe gewählt wird (mehr als 7 cm). Auch bei der Weidenutzung müssen die Tiere rechtzeitig von der Fläche entfernt werden um einen ausreichend hohen Weiderest zu gewährleisten. Der Hintergrund hierfür sind die Pflanzenreserven: auch wenn das Wachstum der Pflanze mit andauernder Trockenheit abnimmt und irgendwann ganz eingestellt wird, findet, bis zu einem gewissen Grad, noch Photosynthese statt. Der gebundene Kohlenstoff wird aber nicht für das Wachstum benötigt, sondern kann als Kohlenhydratreserven gespeichert werden. So zeigen Pflanzen die Trockenstress erfahren haben nach der Dürre auch relativ hohe Zuckergehalte. Die eingelagerten Kohlenhydrate können nach der Dürre in Kombination mit einem ausgeprägten Wurzelwerk und guter Stickstoffverfügbarkeit für einen schnellen Wiederaustrieb verwendet werden. Wird der Bestand also zu tief genutzt, sind diese Reserven stark reduziert – die Regeneration der Pflanze dauert dann deutlich länger. Besonders beim Weidelgras ist dieser Regenerationseffekt nach Dürren gut zu beobachten, auch können so entstandene Lücken schnell wiederbesetzt werden.
Bestandsführung während und nach der Dürre
Während der Dürre bedeuten alle Pflegemaßnahmen oder Nachsaaten zusätzlichen Stress für den Pflanzenbestand, deshalb sollte während Phasen von Trockenstress der Grünlandbestand ‚in Ruhe‘ gelassen werden. Nach der Dürre kann abgewartet werden ob sich der Bestand durch Triebbildung schließt. Sind schlussendlich viele Pflanzen abgestorben sollten die Lücken mit Nachsaat geschlossen werden. Bestände mit viel gemeiner Rispe können nach der Dürre zusätzlich gestriegelt werden - der Bekämpfungszeitpunkt ist günstig, da die gemeine Rispe stark unter Wassermangel leidet und in längeren Dürren größtenteils abstirbt. Wenn im Herbst ausreichend Zeit ist, kann hier eine Nachsaat oft noch sehr erfolgsversprechend sein. Ist die Zeit zu knapp (spätestens ab Anfang Oktober auf vielen Standorten in Baden-Württemberg), kann die Nachsaat direkt im Frühjahr mit Beginn der Vegetation erfolgen – ausreichend Lücken vorausgesetzt. Lücken, die nicht geschlossen werden bieten Platz für teils sehr trockenheitstolerante Unkräuter wie den Stumpfblättrigen Ampfer, Schafgarbe oder unterschiedliche Distelarten.
Zusammenfassung
Meist muss der Bestand – wenn auch nicht reif- in Dürresituationen genutzt werden. Hierbei muss darauf geachtet werden, dass die Nutzungshöhe, egal ob bei Schnitt- oder Weidenutzung nicht zu tief gewählt wird. Dadurch werden Pflanzenreserven in der Triebbasis geschont, die für den Wiederaustrieb benötigt werden. Stickstoffdüngung während oder direkt nach der Dürre ist nicht sinnvoll, da der Stickstoff nicht von der Pflanze genutzt werden kann. Nach der Dürre liegt dann viel Stickstoff pflanzenverfügbar vor, weil nun die Mineralisierung wiedereinsetzt. Die gute Stickstoffversorgung und die Pflanzenreserven in der Triebbasis erlauben eine schnelle Regeneration und Wiederaustrieb nach der Dürre.
Die hier aufgezeigten Anpassungsmöglichkeiten bieten eine Grundlage um die Auswirkungen des Klimawandels etwas zu reduzieren. Hierbei sollten natürlich immer die standörtlichen Begebenheiten beachtet werden. Außerdem müssen neben den akuten Handlungsmöglichkeiten bei Trockenheit (z.B. Nutzungshöhe) auch die mittelfristigen (Artenzusammensetzung) und langfristigen (Bodenschutz) Aspekte zwingend betrachtet und umgesetzt werden.