Rückblick abgeschlossene Seminare
Wenn das Alpgefühl ruft
Alpsennkurs zieht bundesweit Interessierte nach Wangen
Bereits zum zweiten Mal hat das LAZBW Wangen angehende Älpler auf den Alpsommer vorbereitet. Handwerkliches Käsen, Melken und Kühe und Jungvieh auf der Alp halten – innerhalb von dreieinhalb Tagen traf geballtes Wissen auf die 24 Teilnehmenden aus ganz Deutschland.
Rund 17.000 Alpstellen werden pro Sommer allein in der Schweiz vergeben. Was für viele nach einer monatelangen, romantischen Idylle mit Sonnenaufgang in den Bergen klingt, fordert in Wahrheit breitgefächertes Fachwissen, Ausdauer und Geschick. So haben sich engagierte Mitarbeitende des LAZBW jüngst zum zweiten Mal aufgemacht, künftige Älpler mit dem erforderlichen Fachwissen und praktischen Erfahrungswerten auszustatten.
Im Mittelpunkt stand dabei das handwerkliche Herstellen von Hartkäse, Schnittkäse, Butter und Ricotta. „Käsen bedeutet ganz einfach ausgedrückt, dass ich der Milch durch verschiedene Prozesse Wasser entziehe und die Milch haltbar mache“, verdeutlichte Magnus Meinert, Ausbilder an der Lehr- und Versuchsmolkerei des LAZBW. Die Teilnehmenden übten sich daher praktisch am Käsekessel, am Butterfass und beim Schmieren des Käses im Reifekeller.
Besonderer Fokus lag auf den erschwerten Gegebenheiten einer Alpe. Denn wo modern ausgestattete Molkereien mit Hightech-Geräten für gleichbleibende Temperaturen und Luftfeuchtigkeit sorgen, kann das sogenannte Sennen auf 2000 Metern Höhe schnell an Grenzen bringen: „Kein elektrischer Strom, Käsekessel über offenem Feuer, schwankende Temperaturen zum Käsen und Reifen lassen, herausfordernde Hygienebedingungen, aufwändiges Reinigen von Melkgeschirr und Käseutensilien. Die Liste ist lang und kann beliebig fortgesetzt werden“, zählte Ausbildungsberater und Kursinitiator Dominik Hänsler auf, der selbst schon mehrfach auf der Alp beim Sennen war.
Das gilt auch für die Molkereimeisterin Luisa Meyer, die den Kurs gemeinsam mit ihren Kollegen entwickelt hat und deren Herz für die Alp schlägt: „Wo Lebensmittel verantwortlich produziert werden, braucht es vor allem auch theoretisches Grundwissen“, sagte sie. „Beginnend bei Hygienemaßnahmen und -indikatoren, Inhaltsstoffen der Milch, Stoffwechselprozessen beim Käsen bis zum Umgang mit Mikroorganismen und gesetzlichen Grundlagen.“ Einer hochkonzentrierten Dosis gleich erhielten die Teilnehmenden grundlegende Einblicke in das umfangreiche Fachwissen rund um die Milchverarbeitung.
Doch was wäre ein Alpsennkurs ohne diejenige, die das wertvolle Lebensmittel Milch produziert? So stand die Kuh an allen Tagen gleich mehrfach im Rampenlicht. Sei es beim Probemelken auf einem nahe gelegenen Bauernhof mit angeschlossener Hofkäserei, beim Klauenschneiden, beim Weidemanagement von Alpen und der spezifischen Fütterung von Milchkühen, bei der Eutergesundheit oder beim Erkennen von Krankheiten und wie damit umzugehen ist.
Besonderes Schmankerl war ein Abend mit verschiedenen Berichten erfahrener Älpler und Tipps zum Alpsommer - von der Stellensuche über Melken im Bierzelt bis zum Umgang mit zwischenmenschlichen Themen.
„Rundum gelungen“, war das einstimmige Fazit der Teilnehmenden, die aus allen Teilen Deutschlands angereist und unterschiedlich erfahren waren. Mit kostbarem Input von insgesamt acht Referenten werden die meisten davon ab Mai auf Alpfahrt gehen. Der Kurs war sowohl für angehende Senner, Zusenner, Hirten aber auch für Interessierte an der handwerklichen Käseherstellung ausgeschrieben.
Text: Katharina Stohr
Erfolgreicher Start des ersten Alpsennkurses am LAZBW Wangen
Vier intensive, spannende und lehrreiche Tage liegen hinter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des ersten Alpsennkurses, der im März 2025 am Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW) in Wangen stattgefunden hat. Die Begeisterung der Teilnehmenden drückt sich in dem Kommentar aus: „Wir haben nicht nur viel gelernt, sondern auch unvergessliche Erlebnisse gesammelt“. Der Kurs stellte sowohl eine Einführung in die Arbeit auf der Alp als auch in die Welt der Käseherstellung dar. Durch eine ausgewogene Mischung aus Theorie und Praxis wurde ein fundiertes Verständnis für die Milchverarbeitung, die Käseproduktion und die damit verbundenen Herausforderungen vermittelt.
Bei den 24 Teilnehmenden war schnell klar, dass sie die Leidenschaft zum Handwerk der Käseherstellung verband. Gemeinsam stellten sie am Käsekessel ihren eigenen Bergkäse her. Dieser musste am zweiten Tag ins Salzbad gelegt und anschließend gepflegt werden. So erhielt der Laib seinen letzten Schliff.
Neben der Herstellung von Schnittkäse, Butter und Ricotta in süßen und salzigen Varianten standen auch Weidemanagement, Eutergesundheit, Hygiene beim Melken und Tierwohl auf dem Programm. Die abschließende Verkostung der selbst hergestellten Produkte wurde von den Teilnehmenden einstimmig als „Fest für den Gaumen“ bezeichnet.
Die Praxisanteile des Kurses wurden ergänzt durch einen Besuch auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Direktvermarktung in Ellerazhofen bei Leutkirch. Hier übten sich die Teilnehmenden im Melken und lernten die Hofmolkerei „d´Hofkäserei“ kennen. Auch von den Erfahrungsberichten von drei Älplern konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer profitieren.
Einen großen Dank sprachen die Teilnehmenden den engagierten Kursleitern Dominik Hänsler, Magnus Meinert und Luisa Meyer aus. Sie wurden mit dem positiven Feedback „die mit viel Herzblut und Fachwissen durch das Programm führten“ bedacht.
Dieser erste Alpsennkurs konnte eindrucksvoll beweisen, dass er nicht nur eine wertvolle Weiterbildungsmöglichkeit bietet, sondern auch eine Plattform für Austausch, Tradition und moderne Milchwirtschaft darstellt. Wer sich für die Arbeit auf der Alp interessiert oder die traditionelle Käseherstellung erlernen möchte, ist in diesem Kurs genau richtig.
Voraussichtlich wird der Kurs im nächsten Jahr wieder angeboten. Interessenten können sich ab Herbst 2025 über die Homepage des LAZBW im Bereich Bildung anmelden.