Nachbericht zum dreitägigen DLG-Seminar
Mitte Februar drehte sich in am Landwirtschaftlichen Zentrum (LAZBW) in Aulendorf drei Tage lang alles um das Thema Silierung. Das Programm deckte mit einem Mix aus theoretischen Einheiten und praktischen Übungen alle Teilaspekte entlang der Verfahrenskette „Futterkonservierung“ ab.
Das Seminar „Siloprofi“ wird jährlich von der DLG-Akademie angeboten und richtet sich unter anderem an Landwirtinnen und Landwirte, Lohnunternehmen, Beratungskräfte, Tierärztinnen und Tierärzte sowie an alle Personen, die ihr Wissen rund um die Silierung vertiefen wollen. Dabei wechseln die Veranstaltungsorte wie in diesem Jahr zwischen Nord- und Süddeutschland (Futterkamp und Aulendorf) oder Ost und West. Das Themenspektrum reicht von den Grundlagen über Silobau und -befüllung, Grünlandpflege und Ernte sowie Probenahme und Interpretation bis hin zum Siliermitteleinsatz und dessen Wirtschaftlichkeit. Praktische Übungen zur sensorischen Prüfung, zum Silocontrolling sowie zur gasdichten Abdeckung ermöglichen die Anwendung des Erlernten und ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge.
Nach der Einführung durch Silke Ausmeier von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) stellten die 11 Teilnehmenden sich und ihre Erwartungen an die Veranstaltung kurz vor. Direktor Michael Asse begrüßte mit einem Überblick über das Landwirtschaftliche Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW).
Grobfutterqualität aus Sicht des Tieres
Die Milchkuh benötigt hygienisch einwandfreies Futter sowie eine wiederkäuer– und leistungsgerechte Ration. Die eine, optimale Silage gibt es dabei nicht, jedoch können Orientierungswerte für gute Gras- und Maissilagen (Tabelle 1 und 2) als Vergleich herangezogen werden. Je nach Laktationsstadium ändert sich der Bedarf der Milchkühe an Energie und Nährstoffen. Das Erfolgsrezept liegt in einer hohen Grobfutteraufnahme, die schmackhafte Silagen, eine hohe Verdaulichkeit sowie gleichbleibende Qualitäten voraussetzt. Fast alle Stoffwechselkrankheiten oder Leistungslücken bei Wiederkäuern und speziell Milchkühen sind auf eine unzureichende Futteraufnahme zurückzuführen.
Die Schmackhaftigkeit der Silagen wird maßgeblich über die Gärqualität beeinflusst. Insbesondere beim Auftreten von Fehlgärungen kann es zu Beeinträchtigungen kommen, zum Beispiel durch Butter-/Essigsäure, Ammoniak und biogene Amine. Ein enger Zusammenhang besteht zwischen Futterqualität und Verschmutzung, die an erhöhten Rohasche- und Eisengehalten erkennbar ist. Hohe Eisengehalte können unter anderem zu Schädigungen der Darmwand führen und reduzieren die Bioverfügbarkeit von Mangan und Kupfer.
Dr. Elisabeth Gerster (LAZBW) stellte die neuen Versorgungsempfehlungen des Ausschusses für Bedarfsnormen der GfE (Gesellschaft für Ernährung) für die Milchkuh vor, die zukünftig bei der Rationsberechnung angewendet werden. Verschiedene Merkblätter sowie ausführliche Informationen sind dazu im Internet verfügbar (Kasten). Das neue Bewertungssystem betrifft daher neben der Fütterung auch die Grundfutterherstellung.
Gärbiologische Grundlagen des Silierprozesses
Auf die Frage „Was soll im Silo passieren und was nicht?“ ging Dr. Klaus Hünting (Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen) ein. Bei der Silierung wandeln Milchsäurebakterien (MSB) unter Luftausschluss pflanzliche Kohlenhydrate in organische Säuren um. Die daraus resultierenden niedrigen pH-Werte inaktivieren konkurrierende Mikroorganismen und die meisten Enzyme. Notwendige Voraussetzungen sind demnach ein ausreichender Feuchtigkeitsgehalt des Ernteguts, genügend Zucker, eine sauerstofffreie Umgebung sowie das Vorhandensein siliertauglicher MSB. Die Qualität einer Silage hängt nicht nur vom Ausgangsmaterial ab, sondern auch von der Feldliegezeit und der Dauer der Ernte. Insbesondere das Management sowie die Durchführung der Einlagerung haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Lagerstabilität. Nur mit ausreichend geeigneten MSB ist Milchsäuregärung möglich, anderenfalls besteht das Risiko für Fehlgärungen zum Beispiel durch Clostridien (Buttersäure) oder Hefen (Alkohol). Eine Lagerdauer von mindestens sieben Wochen bedingt eine bessere aerobe Stabilität (Schutz vor Nacherwärmung und Schimmel).
Silagebewertung mittels Sensorik und Analytik
An einen Betriebsrundgang über das Areal des LAZBW schloss sich eine praktische Lerneinheit zur Sensorik an. Zunächst konnten die Teilnehmenden ihre Nasen „schärfen“, um die Gärsäuren (Milch-, Essig-, Buttersäure) zu erkennen. Verschiedene Gras- und Maissilagen wurden unter der Anleitung von Christof Löffler (LAZBW) sensorisch beurteilt, pH-Werte und Trockenmasse (TM)-Gehalte bestimmt und zur Bewertung in ein Schema eingetragen.
Der zweite Tag startete mit der Frage nach der korrekten Probenahme und der Bewertung der Silagequalität. Anhand der Analyseergebnisse von Grassilagen wurde im Rahmen einer Gruppenarbeit unter Anleitung von Christof Löffler nicht nur der Gärerfolg abgeleitet, sondern auch die Prozesse, die dafür ursächlich waren, aufgezeigt.
Silobau, Einlagerung und Controlling
Dr. Hansjörg Nußbaum (LAZBW) erläuterte die für Siloanlagen geltenden rechtlichen Grundlagen, insbesondere zum Wasserrecht und die daraus folgenden Anforderungen an Siloplanung, -bau und -bewirtschaftung. Anschließend stand die Einlagerung im Fokus, Ansatzpunkte zur Optimierung der Silobefüllung beim Abladen, Verteilen und Verdichten wurden aufgezeigt und technische Lösungen für die Walzarbeit vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt war die korrekte Siloabdeckung mit dem klassischen Aufbau aus Wand-, Unterzieh- und Silofolie (alternativ Sauerstoffbarrierefolie), Beschwerung mit Kiessäcken sowie Vogelschutz. Innovative Abdeck- und Beschwerungsalternativen können Arbeitserleichterung/Zeitersparnis ermöglichen. Folienqualitäten und Farben sowie deren umweltfreundliche Entsorgung über das ERDE-Rücknahmesystem wurden thematisiert ebenso wie die Folgen des Verzichts auf eine Folienabdeckung.
Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des Silocontrollings. Am Mais- und Grassilo wurden in kleineren Gruppen Temperaturen in unterschiedlichen Tiefen gemessen, mit verschiedenen Techniken Verdichtungen bestimmt sowie pH-Werte und TM-Gehalte abgeschätzt. Zum Auffinden von undichten Stellen in der Stretchfolie bei Rundballen kann der sogenannte Haubentest verwendet werden.
Grünlandpflege bis Grasernte
Heinz-Günter Gerighausen, pensionierter Fachschullehrer, präsentierte die Verfahrenskette der Grünlandbewirtschaftung von der richtigen Pflege (Striegeln und Walzen) über Nachsaat, bis hin zur Ernte (Mähen, Kehren, Wenden, Schwaden). Neben dem Überblick über verschiedene technische Lösungen ging er insbesondere auf den Faktor „Mensch“ ein, der gegebenenfalls für fehlerhafte Geräteeinstellungen oder unangepasste Geschwindigkeiten verantwortlich ist und damit den Siliererfolg maßgeblich beeinflussen kann.
Siliermitteleinsatz und Folienqualität
Siliermittel spielen bei der Sicherung der Silagequalität eine entscheidende Rolle. Silke Ausmeier gab eine Übersicht über die Wirkungsmechanismen von zuckerhaltigen, chemischen oder biologischen Zusätzen. Bei der Auswahl ist unbedingt zu beachten, was das Ziel des Einsatzes ist: Verbesserung des Gärverlaufes oder der aeroben Stabilität. Siliermittelhersteller können ihre Produkte einer Prüfung unterziehen, die einen Aufnahmetest zur Erlangung des DLG-Qualitätssiegels und eine jährliche Überwachung beinhaltet. Eine Entscheidungshilfe zum Siliermitteleinsatz ist online verfügbar (Kasten).
Zudem werden auch Folien für verschiedene Einsatzzwecke (Fahrsilo, Schlauch, Ballen) bei der DLG auf die Qualität überprüft, dabei stehen unter anderem die Materialbeschaffenheit, die mechanischen, physikalischen und chemischen Eigenschaften sowie das Alterungsverhalten im Fokus.
Da ein Siliermittel nur wirken kann, wenn es in der richtigen Aufwandmenge gleichmäßig im Erntegut verteilt wird, widmete sich Christof Löffler der technischen Umsetzung. Dosiergeräte an Häckslern, Ladewagen und Pressen mischen die flüssigen Präparate dem Futterstrom bei, jedoch erfordern insbesondere chemische Mittel meist einen höheren Durchsatz als biologische Mittel. Für die richtige Dosierung ist es essentiell, die Erntemengen zu kennen. MSB-Präparate werden in Einzelportionen in kaltem Leitungswasser, das keine bakteriziden Zusätze enthält, angemischt.
Betriebswirtschaftliche Aspekte
Dr. Klaus Hünting stellte einen Versuch vor, bei dem Grassilage parallel mit Feldhäcklser, Ladewagen und Rundballenpresse erzeugt wurde. Bei der Verfütterung an Milchkühe hatten die unterschiedlichen Partikelgrößen keinen Einfluss auf Futter- und Energieaufnahmen, Milchleistung und -Inhaltsstoffe oder die Körperkondition. Es wurde lediglich ein Einfluss auf die Verdichtbarkeit festgestellt.
Ballensilage mag zwar auf den ersten Blick teurer als die Lagerung im Fahrsilo erscheinen, bei Berücksichtigung der geringeren Silier- und Lagerungsverluste sowie des niedrigeren Investitionsbedarfes relativieren sich die Kosten. Insbesondere die TM- und Energieverluste, die durch Fehlgärungen oder Nacherwärmung/Verschimmeln entstehen, führen zu einem Defizit auf dem Konto, da zwar Futter produziert wurde, das aber nicht für die Fütterung zur Verfügung steht.
Für Biogasanlagen gelten die gleichen Regeln wie für Silagen zur Fütterung von Tieren. Kurze Häcksellängen verbessern die technologischen Eigenschaften für die Vergärung. Die Siliertechniken und das Management sind für Großanlagen entsprechend anzupassen.
Faire Partnerschaft statt Schuldzuweisung
Sobald Qualitätsprobleme der Silage sichtbar werden, kommt es häufig zu Schuldzuweisungen, wer dafür verantwortlich ist. Christof Löffler erläuterte am Beispiel der Maisernte, wie die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaftlichen Betrieben und Lohnunternehmen reibungslos funktionieren kann und welche Absprachen im Vorfeld der Ernte zu treffen sind. Ein während der Ernte geführtes Silierprotokoll sowie eine Foto-Dokumentation und eine regelmäßige Überprüfung der Häckselqualität (Kornaufschluss) sind hilfreich, falls doch einmal Mängel auftreten. Eine gütliche Einigung der Beteiligten ist immer einer gerichtlichen Auseinandersetzung vorzuziehen.
Fazit
Aus Sicht der Veranstalter haben die Expertise und die spürbare Begeisterung der Referentinnen und Referenten sowie die praxisnahen Impulse dazu beigetragen, dass das Seminar am LAZBW in Aulendorf ein voller Erfolg werden konnte. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren durchweg positiv – besonders hervorgehoben wurden die klare Vermittlung der anstehenden Inhalte, der inspirierende Austausch sowie die anregenden Diskussionen. Es wurde nicht nur Wissen vermittelt, sondern echte Begeisterung ausgelöst.
Dr. Susanne Ohl, Christof Löffler
Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, LAZBW Aulendorf
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Weiterführende Literatur und Informationen |
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DLG-Leitfäden zur Proteinbewertung bei Milchkühen und zur Berechnung der Energiekonzentration |
Tabelle 1: Orientierungswerte für gute Gras- und Maissilagen (Entwurf DLG, 2026)
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Parameter |
Einheit |
Grassilage |
Maissilage |
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Trockenmasse (TM) |
g/kg |
300 – 400 |
300 – 3801) |
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Rohasche (XA) |
g/kg TM |
<100 |
< 35 |
|
Rohprotein (CP) |
g/kg TM |
150 – 1702) |
< 80 |
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Protein |
% des CP |
> 50 |
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aNDFom |
g/kg TM |
440 – 480 |
360 – 400 |
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ADFom |
g/kg TM |
240 – 270 |
200 – 220 |
|
ELOS |
g/kg TM |
> 700 |
> 690 |
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Gasbildung |
ml/200 mg TM |
³ 47 |
k. A. |
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Stärke |
g/kg TM |
- |
> 320 |
|
Umsetzbare Energie (ME) |
MJ/kg TM |
³11,2 bzw. ³10,83) |
³11,4 |
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OMD |
% |
³76 bzw. ³733) |
75 |
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sidP |
g/kg TM |
82 |
83 |
|
RMD |
g N/kg TM |
+ 6 |
- 8 |
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1) In Abhängigkeit vom Kornanteil 2) 130 – 150 g/kg TM bei Ackergrassilage 3) 1. Schnitt bzw. Folgeschnitte NDFom und ADFom - NDF bzw. ADF nach Veraschung OMD – Verdaulichkeit der organischen Masse k. A. – keine Angabe |
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Tabelle 2: Zielwerte für die Gärqualität
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Parameter |
Einheit |
Grassilage |
Maissilage |
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pH-Wert (TM abhängig) |
4 – 5 |
<4,2 |
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Milchsäure |
g/kg TM |
> 50 |
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Essigsäure |
g/kg TM |
20 – 30 (bei > 30 Energieverlust ↑, Futteraufnahme ↓) |
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Buttersäure |
g/kg TM |
<3 (bei > 30 nicht verfüttern) |
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|
Ethanol |
g/kg TM |
<10 |
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NH3-N |
% Ngesamt |
<8 (> 10 Hinweis auf Aminosäureabbau) |
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