| Projektleitung | Dr. Mark Schumann |
| Bearbeitung | Sara Sousa E Brito |
| Laufzeit |
09/2025-12/2026 |
Hintergrund
Baden-Württemberg trägt ein Drittel zur Erzeugung von Forellen und Saiblingen in Deutschland bei. Doch der Sektor steht im Zuge des Klimawandels vor großen Herausforderungen und Umbrüchen. Die Erzeugung von Forellen und Saiblingen wird traditionell naturnah in Teichen betrieben, die von kühlem sauerstoffreichem Wasser durchflossen werden. Da Fische wechselwarm sind und der Stoffwechsel maßgeblich durch die Wassertemperatur beeinflusst wird, können die klimawandelbedingten Temperaturanstiege und Wasserengpässe zu großen Problemen führen. Eine aktuelle Studie zeigt eindrücklich, dass bei weiterem Fortschreiten des Klimawandels bis zu 70 % der Fischzuchten im süddeutschen Raum in naher Zukunft mit suboptimalen Temperaturbedingungen zu kämpfen haben werden. Überschreiten die Wassertemperaturen das Optimum der erzeugten Fischarten über einen längeren Zeitraum, so hat das weitreichende Folgen für den Fischbestand und die ökonomische Situation des Betriebs. Die Fische werden durch den Hitzestress krankheitsanfälliger, die Verdaulichkeit der Nährstoffe nimmt ab mit negativen Folgen insbesondere für die Wachstumsleistung der Fische, die Ablaufwasserbelastung und somit auch für die Wirtschaftlichkeit der Anlage. Viele Betriebe kämpfen zudem auf einem stark importbasierten Markt um ihre Wettbewerbsfähigkeit, so dass die Zukunft dieser besonders nachhaltigen Form der Tierhaltung hierzulande ungewiss erscheint. Um die Fischzucht in Baden-Württemberg zukunftsfähig zu machen und das derzeitig erzeugte Volumen zumindest aufrechtzuerhalten, ist es unbedingt nötig, diese möglichst resilient gegenüber den anstehenden Umweltveränderungen zu machen. In der Theorie wurden bereits verschiedene Ansätze entwickelt, um den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen. Jedoch sind viele dieser Maßnahmen bisher nicht erprobt und es bedarf innovativer Konzepte, um sie in der Praxis zu etablieren. Hier setzt das vorliegende Projekt an. Aus den vielversprechenden Anpassungsmaßnahmen sollen konkrete Ansätze erarbeitet werden, um die Fischzucht in Baden-Württemberg fit für die Zukunft zu machen.
Zielsetzung
Es sollen theoretische Ansätze zur Anpassung der heimischen Forellenzucht an den Klimawandel in angewandten wissenschaftlichen Experimenten getestet und evaluiert werden. Hierbei werden insbesondere Verfahren priorisiert, die der fortschreitenden Dynamik der klimawandel-bedingten Umweltveränderungen gerecht werden und in der Praxis unmittelbar zur Verfügung gestellt werden können. Ein Schwerpunkt soll die Fütterung sein. Dabei werden Zeitpunkt und Menge der Fütterung sowie die Futtermittelzusammensetzung so variiert, dass der Fischbestand Hitzeperioden besser überstehen soll und gleichzeitig belastende Ausscheidungen auf die Wasserqualität minimiert werden. Eine weitere Maßnahme ist die Beschattung von Fließkanälen und Teichen. Ein Effekt auf die Wassertemperatur in natürlichen Gewässern ist belegt, aber es fehlen bisher quantifizierbare Daten aus der Fischzucht, inwieweit sich der Temperaturanstieg mit ökonomischen Beschattungsmaßnahmen abmildern lässt.