Angesichts des fortschreitenden Klimawandels ist in den vergangenen Jahren das Interesse an der Erfassung und Analyse wesentlicher Quellen und Senken von Treibhausgasen (THG) deutlich gestiegen. Mit der Novellierung des Klimaschutzgesetzes vom Oktober 2021 hat Baden-Württemberg sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu werden. Als Zwischenziel ist für das Jahr 2030 eine Reduktion der THG-Emissionen um mindestens 65 Prozent gegenüber 1990 vorgesehen. Emissionen in der Landwirtschaft entstehen in der Tierhaltung, der landwirtschaftlichen Bodennutzung und dem landwirtschaftlichen Verkehr.
Im Kontext der Minderung von THG-Emissionen spielt die THG-Bilanzierung eine wichtige Rolle, da sie dabei hilft, betriebsindividuelle THG-Emissionsquellen und "Emissions-Hotspots" zu identifizieren und gezielte Maßnahmen zur Reduktion dieser THG-Emissionen zu analysieren. Auch wenn landwirtschaftliche Erzeugnisse nicht emissionsfrei produziert werden können, gibt es dennoch Potenzial, die produktbezogenen Emissionen zu reduzieren.
Die enterische Fermentation der Rinder hat den größten Anteil an den Methanemissionen aus der Rinderhaltung. Hinzu kommen Methanemissionen aus dem Management und der Lagerung von Wirtschaftsdünger. Methan wird hauptsächlich in den Vormägen von Wiederkäuern wie der Milchkuh als Folge des mikrobiellen Abbaus und der Fermentation des Futters gebildet. Durch eine optimierte Fütterung kann die Methan-Abgabe der Wiederkäuer reduziert werden. Bestimmte Futtermittelzusätze oder eine angepasste Rationsgestaltung können den Fermentationsprozess sowie die Methan-Abgabe beeinflussen. Im Rahmen des Projekts „Hemmung der Methanogenese im Vormagen der Milchkuh durch Futterzusätze und heimische Futtermittel (Akronym: MethaKuh2020)” wurde am LAZBW das Reduktionspotenzial der CH₄-Abgabe von Milchkühen durch verschiedene Fütterungsstrategien untersucht. Sowie die THG-Bilanzierung aus vier Praxisbetriebe.
Im Rahmen der Projekte „Aufbau eines Demonstrationsnetzwerkes Klimacheck aus Futterbaubetrieben in Baden-Württemberg: Ermittlung der Treibhausgasbilanz (Akronym: Klimacheck)“ und „Klimabilanzierung von Futterbaubetrieben in Baden-Württemberg anhand unterschiedlicher Treibhausgas-Rechner (Akronym: KliFuRe)“ werden seit 2023 am LAZBW THG-Bilanzen für 20 Futterbaubetriebe in Baden-Württemberg erstellt sowie ein Vergleich von vier in Deutschland verbreiteten Bilanzierungswerkzeugen durchgeführt.
Als Berechnungsgrundlage für die THG-Bilanzen wurde der Berechnungsstandard für einzelbetriebliche Klimabilanzen verwendet und auf dieser Basis eine EDV-Anwendung entwickelt. Die Zielgrößen sind einerseits die Gesamt-THG-Emissionen (kg CO2e/Kuh und Jahr) und andererseits die produktbezogenen Emissionen (kg CO2e/kg Milch bzw. kg FPCM). Die Abkürzung FPCM steht für Fett-Protein-korrigierte Milchmenge und dient als standardisierte Milchleistung dazu, die Milchleistungen und damit auch die CO2-Fußabdrücke der Milch zwischen Betrieben vergleichbar zu machen.
Zum Klimacheck-Projekt Förderphase I
In Deutschland gibt es allerdings viele THG-Rechner für den Agrarbereich, die sich in Zielsetzung, methodischem Ansatz, Systemgrenzen und Detailtiefe teils deutlich unterscheiden. Während einige Rechner auf Sensibilisierung und Beratung ausgelegt sind, bieten andere eine umfassende, wissenschaftlich fundierte Bilanzierung auf Einzelbetriebsebene. Aufgrund der großen Unterschiede in Bezug auf Zielsetzung, Rahmenbedingungen und Systemgrenzen, methodische Ansätze und technische Umsetzung variieren die Ergebnisse stark und sind nur bedingt vergleichbar. Deshalb wurden im KliFuRe-Projekt vier THG-Rechner miteinander verglichen.
Kontakt
Anika Wigger
07525 942 462
anika.wigger@lazbw.bwl.de
Neben den Methanemissionen aus der Tierhaltung sind die Lachgasemissionen aus den landwirtschaftlich genutzten Böden die größte THG-Quelle im Sektor Landwirtschaft. Diese Emissionen entstehen vor allem durch die Ausbringung stickstoffhaltiger Düngemittel, sowohl organischer als auch mineralischer Dünger. Eine Reduktion dieser Emissionen hat neben dem Nutzen für den Klimaschutz auch den Vorteil, dass die Stickstoffnutzungseffizienz verbessert wird. Das ist somit aus ökologischen wie auch ökonomischen Gesichtspunkten sinnvoll. Um die Stickstoffnutzungseffizienz auch unter Klimawandelbedingungen zu verbessern, wird am LAZBW in Kooperation mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) das Projekt „Steigerung der N-Effizienz unter Klimawandelbedingungen“ durchgeführt
Im Projekt „Steigerung der N-Effizienz unter Klimawandelbedingungen“ wurde eine mögliche Bewirtschaftungsanpassung an die verstärkt auftretenden Sommertrockenheiten untersucht. So wurde eine Intensivierung der Düngung während der günstigen Witterungsphasen im Frühjahr und Herbst gegenüber einer klassischen Bewirtschaftung mit durchgehender organischer Düngung nach jedem Schnitt getestet. Für alle Behandlungen wurden THG- und Ammoniakemissionen sowie die Erträge und Futterwerte gemessen. Die Ergebnisse haben sowohl für Lachgas und Methan als auch für Ammoniak sehr geringe Emissionen ergeben und keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungen gezeigt. Die geringen Emissionen sind im Falle von Ammoniak auf die Witterung und die emissionsarme Ausbringtechnik zurückzuführen. Die relativ geringen Lachgasemissionen wurden höchstwahrscheinlich durch die idealen Bedingungen für eine vollständig ablaufende Denitrifikation bedingt. Die ursprüngliche Versuchsfrage konnte durch die fehlende Sommertrockenheit im Jahr 2024 zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantwortet werden. Hierzu laufen aktuell weitere, ganzjährige Messungen, um auch mögliche Effekte außerhalb der Vegetationsperiode zu erfassen.